Allgemeine Informationen
1998 wurde der deutsche Strommarkt liberalisiert. Somit steht es Jedem frei Strom zu produzieren und an seine Kunden zu verkaufen. Vorher konnten das nur die staatlichen Monopolkonzerne, die auch die Verteilernetze für sich beanspruchten. Um einen Wettbewerb in der Stromindustrie möglich zu machen musste man Netzzugang für Alle schaffen. So sind die Netzbetreiber nun dazu verpflichtet, einen diskriminierungsfreien Zugang zu ihren Leitungsnetzten zu realisieren. Was bedeutet, dass sie selbst den Strom der Konkurenz bis zum Endverbraucher weiterleiten müssen.
Zur Zeit der Liberalisierung teilten sich acht große Konzerne den Markt, von denen sich nur vier halten konnten: E.on, RWE, EnBW und Vattenfall. 90 Prozent der deutschen Kraftwerke gehören heute zu diesem Quartett. Auch die über 500 Stadtwerke und kommunalen Energieversorger schließen sich immer weiter zusammen.
Die großen Konzerne halten in vielen Fällen schon große Geschäftsanteile. Die Entwicklung geht nun vom Monopol zum Oligopol über.
Nur die skandinavischen Länder, Großbritanien, Österreich und Spanien haben neben Deutschland ihren Strommarkt zu 100 Prozent geöffnet. Der Europäische markt hat zwischen 1996 und 1998 verschiedene Richtlinien veranbschiedet um somit die Öffnung der nationalen Strom- und Erdgasmärkte zu regeln. Der gesamte europäische Strommarkt soll bis 2007 vollständig liberalisiert sein.
Nach Ansicht der Verbraucherschützer hat die Liberalisierung der Energiemärkte in Deutschland zu einer wettbewerbsfeindlichen konzentration der Märkte geführt. Allein zwei Drittel des Marktes werden von den großen konzernen E.on und RWE beherrscht. Die Strompreise stehen gut fünf Jahre nach der Öffnung wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Liberalisierung. 2005 erhöhen zahlreiche Stromversorger wieder die Preise. Die höchsten Strompreise in der EU werden inzwischen von deutschen Verbrauchern gezahlt.
Die Chefin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Edda Müller meint, dass sich die Energieriesen so unliebsame Konkurenten vom Hals halten würden. Sie sagt dass sich die Stromkonzerne auf Kosten der Verbraucher bereichern würden und dass die deutschen Haushälte fünf Milliarden Euro zu viel für ihren Strom zahlen würden.
Es wird gefordert, dass die Bundesregierung endlich eine Regulierungsbehörde einrichtet, so dass ein leistungsfähiger Wettbewerb zwischen den Stromversorgern in Deutschland entstehen kann. Die Regulierungsstelle soll einen Bereich vorgeben, in dem sich der Strompreis bewegen darf. Diese Kostenrichtlinie soll den Preis des effizienten Anbieters zur Grundlage haben. Weltweit ist Deutschland das einzige Land, das im nun geöffneten Strommarkt keine Regulierungsbehörde eingesetzt hat.
Das Bundeswirtschaftsministerium plant dies aber für 2005.
Auf dem liberalisierten Strommarkt steht auch grüner Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen, wie Wind, Wasserkraft, Solarenergie oder Biomasse zur Verfügung.
Auch wenn man für den grünen Strom mehr bezahlt kommt doch nichts anderes aus der Steckdose als bei den Nachbarn. Der Anbieter garantiert lediglich, dass er den Anteil des vom Verbrauch gezahlten Ökostroms auch tatsächlich in den Gesamt-Pool an Strom im Netz einspeist.
Nur vier Prozent der deutschen Verbraucher haben seit der Liberalisierung des Strommarktes ihren Stromanbieter gewechselt. Etwa 25 Prozent der privaten Haushalte haben jedoch preiswertere Sonderverträge mit örtlichen Stromversorgern abgeschlossen. Diese Verträge bieten günstigere Preise zu längeren Vertragslaufzeiten. Oder sie setzen eine bestimmte Mindestabnahme voraus. Etwa 50 Prozent der Gewerbekunden haben ihren Stromanbieter bzw. den Tarif gewechselt, bei Industriekunden sogar 100 Prozent.
Neuigkeiten
Neue Ansätze in der Ökostromenergieversorgung
Die Ökostrombörse gilt als ein neues, innovatives Modell und
konnte in Vorarlberg (Österreich) in Form eines Pilotprojekts bereits 401
Ökostromkunden und 169 Ökostromproduzenten (KMUs) mit einer mittleren Jahresproduktion von 86.918.000 KW/h erschließen.
Mit der Ökostrombörse können Einzelpersonen, Unternehmen, Kommunen und Regionen durch eine an ihren Stromverbrauch gekoppelte Mehrzahlung regional tätige Produzenten unterstützen bzw. sich an deren Anlagen beteiligen - ein neuer Markt für Angebot und Nachfrage entsteht. Zusätzlich können Ökostromproduzenten ihr Produkt selbst bewerben und im Sinne der Direktvermarktung unmittelbar davon profitieren.
Intersolar 2006 - Treffen der internationalen Solarbranche
Die Intersolar 2006, Europas führende Fachmesse für Solartechnik, findet in der Messe Freiburg statt. Auf einer Fläche von 26.000 m2 zeigen 454 Aussteller aus 27 Nationen neue Produkte der internationalen Solarbranche. Die Branche befindet sich immer noch im Aufwind, was
in Zahlen bedeutet: der Umsatz allein in Deutschland stieg auf rund 3,7 Mrd. Euro.
Der Weltmarkt für Photovoltaik wird von derzeit rund acht Mrd. Euro auf über 20 Mrd. Euro bis 2010 wachsen.
Trend 2006 - Strom wird immer teurer
Im Vergleich zu 2005 prognostiziert
der Energie Informationsdienst (EID) weiter steigende Preise. Der Strompreis sei demnach
um knapp 0,8 Cent je Kilowattstunde gestiegen.
Im Vergleich zum Beginn der Strommarkt-Liberalisierung im Jahre 1998
liegt er fast ein Viertel höher. Dafür sind vor allem höhere staatliche Abgaben verantwortlich.